Vertipper-Domain

Typosquatting: Das Geschäftsmodell mit den Verschreiberdomains

Ich gebe es zu: Ich habe Wurstfinger, die die Tastatur und insbesondere die Backspace-Taste zwecks Korrektur von Fehlern doch sehr strapazieren. Der einzige Trost? Ich bin nicht allein auf der Welt, der mit Zweifingersuchsystem vor dem Computer sitzt. Nicht umsonst hat sich der Begriff „Typosquatting“ hier etabliert.

Das etwas kryptische Typosquatting ist der Fachbegriff für die bewusste Registrierung und Fremdbesetzung von Markendomains, in welche kleine Schreib- und Tippfehler eingebaut werden. Die Domaininhaber solcher Domains hoffen darauf, dass Internetuser sich beim Aufruf einer Markendomain versehentlich vertippen und somit auf die eigene Domain gelangen.

Und natürlich spielt auch hier wieder der schnöde Mammon eine große Rolle. Hinter Typosquatting stehen Geschäftsmodelle, welche offensichtlich so lukrativ sind, dass sich diese rechtlich eher fragwürdigen Machenschaften zu lohnen scheinen. Welche Inhalte auf der Seite angezeigt werden, bleibt dem Domaininhaber überlassen und so findet man auf etlichen Typosquatting-Seiten nicht das, was man eigentlich sucht sondern wird bombardiert mit Werbeanzeigen,  Pop-Ups, Spyware, Adware und weitere dubiosen Inhalten, die das Surfen im Netz erschweren.

Ein anderes Geschäftsmodell kann sein, auf den Bedarf des Markeninhabers zu bauen, welcher in naher Zukunft gerne auch seinen falsch geschriebenen Markennamen besitzen möchte und die Domain vom aktuellen Inhaber abkauft.

Wenn das alles nicht schon schlimm genug ist für einen Markeninhaber wird es doch erst richtig brisant sobald schädliche Inhalte auf den Verschreiberdomains dargestellt werden. Man stelle sich beispielsweise ein wiipedia.org mit pornografischen Inhalten vor und der Imageschaden, welcher hier entstehen kann! Noch viel schlimmer ist aber, wenn ein Typosquatter auf phishing-Tour geht, die offizielle Seite des Markeninhabers kopiert um dann die Zugangsdaten von diversen Nutzern zu sammeln. Den kriminellen Konzepten ist hier fast keine Grenze gesetzt.

Was gefühlt einige wenige Unternehmen bislang richtig gemacht haben, hat nun eine Studie wissenschaftlich belegt. Die belgische Uni Leuven hat hier auf kompakt zusammengefassten 13 Seiten eine insgesamt 7 Monate andauernde Untersuchung zum Thema Typosquatting ausgewertet und kam zu fasst schon erwarteten Schlussfolgerungen. Die Studie konzentrierte sich dabei auf das sogenannte Alexa-Ranking, in der – angefangen mit der auf Platz 1 gelisteten „google.de“ – die Top 500 meistbesuchten Domains aufgeführt sind. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Von den 500 Marken-Seiten haben 477 mindestens eine Typosquatting-Seite.

Ausschließlich 156 Markeninhaber bemühen sich um ihren Markenschutz durch defensiv-Registrierungen, 68% dulden jedoch diesen Umstand und bemühen sich nicht, hier vorzusorgen. Einige Markenseiten hatten sogar über 100 Typosquatting-Seiten und selbst sensible Branchen wie das Bankwesen bleibt hier nicht verschont.

Grundsätzlich haben die Forscher festgestellt, dass je länger der Domainname der Marke ist, desto stärker ist die Marke auch von Typosquatting betroffen.

In Domain-Policies, die wir gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln, werden Vertipper in jedem Fall berücksichtigt. Falls Beratung hier erwünscht ist, sprechen Sie uns einfach an.

Die komplette Studie der Forschergruppe finden Sie unter folgendem Link:
https://lirias.kuleuven.be/bitstream/123456789/471369/3/typos-final.pdf

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