Krise in Europa

Ein russisches Internet – ohne den Westen

Heute wird es in unserem Blog politisch: Die aktuelle Lage und Entwicklung im Osten Europas bietet jede Menge Diskussionsgrundlage und teilweise unangenehm viel Platz für Mutmaßungen. So haben wir genauer aufgehorcht als The Guardian berichtete, dass die russische Regierung ein autarkes Internet, unabhängig von möglicher amerikanisch-westlicher Einflussnahme, plant.

Sollte sich die Lage weiter zuspitzen und der Westen als Maßnahme beschließen Russland vom westlichen Internet abzuschneiden, soll ein eigen dafür entwickelter Aktionsplan für dieses Krisenszenario greifen.Ein angenehmer Nebeneffekt eines rein russischen Internets jedoch: Russland erhofft sich eine größere Kommunikations- und Spionagesicherheit vor Geheimdiensten mit Spähprogrammen, ähnlich wie das PRISM-Programm der USA.

Als ein großes Land könne sich Russland eine Abkapselung von der Informations-Infrastruktur des Internets nicht leisten, so Nikolai Nikiforov, Minister für Kommunikation in Russland, und sieht seine Pläne als gerechtfertigt an.

Zunächst scheinen diese Pläne etwas unreal und überspitzt, jedoch wurde dieses Problem auf sehr hoher Ebene in der russischen Regierung aufgehängt. So involvierte Nikiforov seine Kollegen aus Verteidigung  sowie nationaler Sicherheit, als Reaktion auf einen Versuch Russland von diversen Netzwerken abzuschneiden. Nikiforov verweist bei der Begründung seiner Pläne auch auf das Vorhaben des Europäischen Parlaments, Russland vom SWIFT-System auszuschließen und somit erheblichen Einfluss auf Finanztransaktionen zu nehmen.

Laut einer Beurteilung von Experten des ITAR TASS, das RuNet vom restlichen Internet abzuschotten, sei technisch und politisch unmöglich.

Andrei Soldatov, Experte für Russlands Spionage Organisationen, konnte die Nachricht kaum glauben und hält diese Statements als einen großen Schritt zu einer „belagerten Festungsmentalität“. Ähnliche Pläne hatten sich bisher auf die Kommunikation in Regierungskreisen beschränkt. Dies nun auf das gesamte Internet in Russland auszuweiten ist eine wahnsinnige Idee. Dabei hält Soldatov die technische Abschottung für durchaus machbar.

Wie sich die politische Situation weiter entwickelt, bleibt abzuwarten und ist auf jeden Fall hoch spannend.

Was bereits geschehen ist und auch uns als Domainexperten direkt betrifft: Russlands Regierung hat die Vergabe von Domains zur Staatssache gemacht und entscheidet seit neustem selbst, wer eine .ru-Domain, .su-Domain oder .рф-Domain bekommt. Wenn es ähnlich läuft wie in Kasachstan vor zwei Jahren, so Soldatov, müssen auch alle Domains bald in Russland gehostet werden, was für viele .ru-Domain-Inhaber eine große Herausforderung sein dürfte.

Bislang konnten wir noch keine direkten Auswirkungen auf unsere Arbeit wahrnehmen. Sollte sich die Gesamtlage oder grundlegende Dinge bezüglich der Registrierung Russland-naher Domains verändern, werden wir weiter darüber berichten.

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