Die neuen Endungen – über Parking zur Etablierung?

Glaubt man den Zahlen von ntldstats.com, sind von den derzeit 14,5 Millionen registrierten Domains ca. 75% geparkt oder ohne Inhalt. Ein sehr hoher Prozentsatz, wenn man bedenkt, dass die neuen Endungen gerade als Alternativen zu den nahezu ausgeschöpften, etablierten Endungen gedacht sind.

Auch Registrare wie CSC oder MarkMonitor, in deren Händen sich die Domains namhafter Markenkunden befinden, haben einen sehr hohen Anteil an ngTLD-Domains, die geparkt oder ohne Inhalt sind.

Selbstverständlich muss man die Defensivregistrierungen (.sucks, .porn, .adult, .sex) berücksichtigen. Diese haben zumeist keinen Inhalt und werden häufig nicht aufgelöst.

Offensichtlich ist, dass besonders Händler, Investoren und Broker sich für die neuen Endungen interessieren. Unbeeindruckt von den erhöhten Kosten, die im Vergleich zu gängigen Endungen erheblich sind, wird Profit gewittert. Wer tatsächlich einen langen Atem hat wird sich zeigen, wir sind jedenfalls auf die Erneuerungsraten gespannt. Derzeit ist der Handel mit ngTLDs überschaubar, große Summen sind über Sedo & Co. noch nicht zu erzielen.

Der Handel mit Domains birgt daher auch für die TLDs längerfristig ein Risiko.

Das „Standing“ einer TLD ist direkt an die Nutzung der Domains durch die Domaininhaber gekoppelt. Je produktiver eine TLD genutzt, desto besser das „Standing“ und Vertrauen, umso höher die Erneuerungsraten. Die Etablierung einer TLD ist ein schleichender Prozess, primär gesteuert durch die Domaininhaber und den Content. Sobald eine gewisse Schwelle erreicht wurde, gilt für mich die TLD als etabliert und kann als zukunftsfähig betrachtet werden. Die neuen Endungen haben diesen Status noch nicht verdient, jedoch kann das auch bisher nicht erwartet werden.

Die Konzepte der sogenannten „restricted“ TLDs halte ich für einen interessanten und förderlichen Ansatz zur zügigen und längerfristigen Etablierung einer TLD. Zur Erklärung: Hierbei handelt es sich um Endungen, unter denen nur bestimmte Antragsteller die gewisse Anforderungen erfüllen (Sitz vor Ort, Unternehmen, Marken, Branchenzugehörigkeit), Domains registrieren dürfen.

Die Swiss Confederation hat mit der TLD .swiss einen guten Weg gewählt. Fragwürdig ob über den Ausschluss bestimmter Gruppen, im Fall von .swiss die Privatpersonen, rentable Registrierungszahlen erreicht werden können. Auf die Nutzung von Domains hat das tatsächlich Einfluss. So sind 55% der Domains unterhalb .swiss geparkt oder nicht erreichbar, bei .bank sogar nur 19%. Dies hat sicherlich auch mit den erhöhten Gebühren zu tun, zeigt es dennoch die Möglichkeit der Etablierung einer TLD durch strenge Vergaberichtlinien.

Ich habe die von den DOMAINEXPERTEN im Kundenauftrag registrierten ngTLDs ebenfalls ausgewertet und komme zu dem Ergebnis, dass lediglich 24% geparkt sind oder auf keinen Inhalt verweisen. Domains von Händlern, die zu 100% geparkt sind, sind in der Berechnung enthalten. Häufig ist eine 301-Weiterleitung auf die Hauptdomain eingerichtet. In Anbetracht der genannten 75% ein sehr erfreuliches Ergebnis und die Bestätigung für eine hervorragende Ausrichtung. Die Verbindung von gezielter Domainregistrierung, klarer Strategie und offenem Bewusstsein für neue Entwicklungen, führt in enger Zusammenarbeit zwischen Registrar/Provider und Kunde zum Erfolg.

Ein Beitrag von Immanuel Rückel

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