new gTLDs

Braucht die Menschheit New gTLDs?

Die Frage mag angesichts der Etablierung von bereits über 400 New gTLDs müßig sein, für eine strategische Betrachtungsweise seines eigenen Domainportfolios bleibt sie jedoch nach wie vor interessant.

Der Hintergrund ist allerdings ein anderer. VeriSign, der Platzhirsch unter den Registries und Betreiber der mit Abstand größten TLD .com, hat in einem Blogeintrag bezüglich der damaligen Argumentation, dass es immer weniger attraktive Domains gibt darauf hingewiesen, dass über 23 Millionen Suchanfragen nach einer freien .com-Domain erfolgreich sind – und dies pro Tag!

Weiterhin seien lediglich 5% aller verfügbaren 5-stelligen Domains bereits registriert. Bei den 6-stelligen seien es sogar nur 1%.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass hier VeriSign diese Statistik beschönigt, indem sie alle Möglichkeiten inklusive Zahlen und Bindestrichen rechnerisch mit einbezieht – also theoretische Domainnamen berücksichtigt, die kein Mensch jemals registrieren würde. VeriSign scheint trotz dieser Schönfärberei nicht ganz falsch zu liegen. Quält sich die Gesamtheit der besagten 400 TLDs seit Anbeginn des Jahres mit ca. 1,8 Mio. Domains herum, macht eine .com mal locker eine halbe Million im Monat September!

Mein persönliches Resümee zu unserer Eingangsfrage: Es hätte vollkommen ausgereicht nur eine Handvoll TLDs zuzulassen. Generische Endungen, wie .shop oder .app sind attraktiv und gehören zweifelsohne in diese Auswahl. Eine ebensolche Berechtigung könnte man Länder- und Städtenamen erteilen. Schlussendlich sehe ich auch Firmen in diesem erlauchten Kreis, die hier die Gelegenheit wahrnehmen können, ihr Markenrecht wirkungsvoll auszuüben und zu verteidigen.

Mir ist bewusst, dass hier unter Umständen eine Büchse der Pandora aufgemacht wird und viele sich auf Basis eines Gleichheitsprinzips berechtigt fragen, welche TLD mit oben genannter Betrachtungsweise hier zugelassen werden darf und welcher dieses Recht verweigert wird.

Eine Erweiterung der in der Bewerbung erforderlichen Finanzpläne um Studien, die die Erfolgsaussichten einer TLD beleuchten wäre hier nur eine Möglichkeit die Auswahl einzugrenzen.

Fakt ist, dass wir schon jetzt abschätzen können, welche Domainendungen in den nächsten Jahren wieder vom Markt verschwinden werden. Und dies kann sicherlich nicht im Sinne des Auftrags der ICANN sein.

Ein Beitrag von Thomas Schell

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