TLD

Auch bei TLDs ist nicht alles Gold was glänzt…

Der Heise Zeitschriften Verlag hat ein interessantes Gespräch mit Olivier Crépin-Leblond veröffentlich. Der Chef des At-Large Advisory Committee vertritt die Interessen von Internetnutzern bei der globalen Netz-Behörde ICANN.

In diesem Artikel werden die Probleme und Schwierigkeiten des Programms deutlich angesprochen. So äußerte sich Olivier Crépin-Leblond durchaus kritisch zu dem andauernden Programm. Auf die Frage, wie zufrieden er mit dem Verlauf des Programms ist, entgegnete er durchaus verhalten:

„Das ist schwer zu sagen. Nur ein Teil der TLDs wurde bisher implementiert. Sicherlich führen die neuen Endungen zu mehr Vielfalt. Es ist allerdings zu früh zu sagen, ob die Internetnutzer von der Auswahlmöglichkeit auch Gebrauch machen und ob sie von den neuen TLDs tatsächlich profitieren.“

Bisher stehen hinter den neuen Endungen noch viele Fragezeichen. Besonders im Bezug auf die Vergabe von TLDs, um die sich einige Bewerber streiten. Diese Endungen werden nach und nach höchstbietend versteigert.

„Auktionen sind definitiv nicht das richtige Mittel. Die Endung geht dann einfach an den, der am meisten zahlen will und kann. Deswegen haben wir dafür gekämpft, dass Community-TLDs Priorität haben. Endnutzer werden von ihnen mehr profitieren als von rein kommerziellen Bewerbungen. Das Internet erlaubt es, verschiedenste Communities aufzubauen. Diese Top Level Domains können dabei helfen und sie können die jeweiligen Communities unterstützen.“

So Olivier Crépin-Leblond auf die Frage, wie er diese Art der Vergabe betrachtet.

INDECA sieht die Vergabe ebenfalls mit einem kritischen Auge und erwartet gespannt die ersten Auktionen. Auffallend ist zudem, dass nur 1,5 Prozent aller 1.900 Bewerbungen um neue TLDs aus Lateinamerika kommen, weniger als 1 Prozent aus Afrika.

Auf die Frage, wie dieses Ungleichgewicht zustande kommen konnte, entgegnete Olivier Crépin-Leblond:

„Die Bewerbungsgebühren von 185.000 US-Dollar waren vermutlich für einige Bewerber aus Entwicklungsländern zu hoch. Dazu kommen noch die Kosten, um eine TLD technisch zu betreiben und zu vermarkten, bis sie sich selbst trägt. Es gab zwar ein Hilfsprogramm für Bewerber. Um Missbrauch zu verhindern, war es aber wiederum so strikt, so dass es für viele Bewerber nicht gepasst hat. Und es deckte nur die Bewerbungsgebühr ab. Darüber hinaus wurde das neue TLD-Programm in Afrika, Lateinamerika und Teilen Asiens kaum bekannt gemacht. Die so genannte ICANN Road Show machte vor allem in Nordamerika, Westeuropa und wohlhabenden Ländern wie Singapur und vielleicht Australien und China halt.“

In einer weiteren TLD-Runde sollten einige Punkt anders laufen. Zum einem muss ein Weg gefunden werden, besser auf Communities einzugehen. Top-Level-Domains sollten nicht nur an denjenigen mit dem dicksten Portemonnaie gehen. Vielleicht könnte es eine Runde nur für Community-Bewerbungen geben – und auch speziell für Entwicklungsländer. ICANN bezeichnet sich stolz als globale Organisation. Entsprechend sollte es auch ein wirklich globales Angebot an Top-Level-Domains geben.

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